| Wir sehen einander an, und wir
sagen: "Ich kann ihre Geschichte nicht glauben, ich kann seine Geschichte nicht glauben, ich kann deine Geschichte nicht glauben, ich kann meine Geschichte nicht glauben." Und doch können wir uns gegenseitig trösten, denn im Grunde ist es bei allen das gleiche: Auch wenn wir es nicht verstehen, irgend etwas hat sich ereignet. Ari Goldmann, 2005 |
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| Straßenunruhe. 2011. Öl auf Leinwand, 100 x 120 cm |
| Ein Hauch von Zweifel Die Suche nach den letzten Prinzipien und Ursachen der Welt, nach Sinn und Zweck der gesamten Wirklichkeit, ist menschliches Grundbedürfnis. Ein Grundbedürfnis ohne Aussicht auf Befriedigung, denn "mit dem Wissen wächst der Zweifel", wie es schon Goethe festgestellt hat. Den Teufelskreis, aus Bedürfnis nach Erkenntnis und der gleichzeitigen Verhinderung von Erkenntnis durch Zweifel zu durchbrechen, ist das erklärte Ziel von Ari Goldmann. Schlichtweg die Missachtung von Zweifel ist seine sicherste Bildstrategie. "Zweifel können kein sicheres Abbild ergeben", begründet er und provoziert doch nur das Gegenteil: Die Manifestation des Zweifels im Allgemeinen und immer auch die Behauptung der Fehlerhaftigkeit einer früheren, einer anderen Abbildung, im Speziellen. Die Leerstelle ( da, wo ursprünglich der Zweifel seinen Platz hatte ) als Katalysator zur Beschleunigung des Teufelskreises. Letztlich müßten alle Bilder leer enden, wenn die Aussparung jeglichen Zweifels die einzige künstlerische Strategie von Ari Goldmann wäre. Doch auch die selbstgesteckten Grenzen des Zweifels missachtend, überschreitet er sie, und rechtfertigt so manche Abbildung mit einem Zitat von W.Shakespeare: "Zweifel sind Verräter. Sie rauben uns, was wir gewinnen können, wenn wir nur einen Versuch wagen.” H.J. Wieland, 2007 |
Ein Drip-Painting von Jackson Pollock kommt nicht in meine Wohnung! Aber das Portrait von Whistlers Mutter wollte ich auch nicht in meinem Zimmer hängen haben. Ich suche ein Bild zwischen den Drip-Paintings von Jackson Pollock und "Whistlers Mutter". (Anmerkung: Whistlers Mutter ohne Anführungszeichen ist Whistlers Mutter; mit Anführungszeichen |
| Gedanken zu "Der weisse
Bus": Mit sehr großer Verlässlichkeit stand und steht immer und überall, wenn sich in der Bundesrepublik Deutschland etwas verändert, einschneidendes passiert, Geschichte geschrieben wurde und wird, irgendwo ein VW-Bus in der Nähe oder ist am Geschehen selbst beteiligt. Als Mannschaftswagen der Polizei, als Übertragungswagen des Deutschen Fernsehens, als Fluchtfahrzeug der RAF...und...und... Auf Pressefotos und Dokumentarfilmen stehen sie herum wie trojanische Pferde. Die stummen Zeugen, immer anwesend, wenn in Deutschland Geschichte geschrieben wird. Ari Goldmann |
| Gedanken zu "Geiger entweichen während sie streichen": Das Selbstbildnis ist nach dem Vorbild des jiddischen "Fiedler auf dem Dach" entstanden. Eine Figur, die den Unebenheiten des Lebens mit Humor und Gelassenheit entgegentritt. Märchen und Musik bieten Asyl vor der Realität. Meine Adaption stellt den verbissenen Widerstand gegen die Realität dar. Träumen und gleichzeitig wissen, dass man vom Aufwachen eingeholt wird. Hartnäckig Träumen. Geht das überhaupt? Ari Goldmann |
.....Meine künstlerische Arbeit will ich anhand eines Bildes beschreiben: Wie lange hält so ein "Bild im kulturellen Gedächtnis", wenn sich die Rahmenbedingungen verändern? Werden unsere Enkel vor dem " Blick aufs Meer" diese Fragen nicht mehr stellen? Ari Goldmann: Katalog "Der Berg" Kunstverein Heidelberg 2002 |
| Mein
Schrecken "Ich war erschrocken, als ich die Anzeige einer Modefirma entdeckte, die mit der heiligen Mutter Gottes für ihre Unterwäsche warb. Der Schrecken war Auftakt für die Bildserie "Mein Schrecken war, der Feind hat kein Gesicht". In dieser Serie beschwere und entlaste ich die großen alten menschheitsbewegenden Bildthemen, ich lade sie inhaltlich auf und ab und stelle unentwegt die Frage: "Transportiert konsequente Inhaltslosigkeit nicht auch einen Inhalt?" Die Tabuüberschreitungsindustrie der Gegenwart, die unter dem Motto "Großen Themen die Größe nehmen" unentwegt inhaltsleere Schönheit produziert, ist das Pool aus dem sich meine künstlerische Arbeit nährt......" Ari Goldmann, 2001 |
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| Was
früher war, ist heute heute. In Ari Goldmanns Werk verliert die Zeit ihre Richtung. Was früher war, ist heute heute. Das Ergebnis dieser Logik: Dürers Druckgrafik entsteht aus dem schwarzen Quadrat von Malewitsch, erst hört man Madonna und später Bach. Alle Zeit, ob Vergangenheit oder Zukunft, ist im Kopf gleichzeitig. In dieser Verdurcheinanderung löst Ari Goldmann bekannte Motive aus ihren geschichtlichen Zusammenhängen und lädt sie im Sinne eines „katholischen Minimalismus“ (zwei Dinge die sich gegenseitig ausschließen) mit neuer Bedeutung auf. So gelingt es dem Künstler elegant großen Themen die Größe zu nehmen, ohne sie zu kleinen Themen zu schrumpfen. Er malt die Bilder einer postapokalyptischen Zeit, in der man sich noch gerne, in Nostalgie schwelgend, an die Apokalypse zurückerinnern wird. Georg Kühn 2002 |
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| Stehende Welle. 2002. Öl auf Leinwand, 120 x 140 cm |
| Palimpsest ....Ari Goldmann bedient sich der Bilder und ihrer Mythen, der Ikonen, die im kulturellen Gedächtnis einen scheinbar festen Platz einnehmen. Aber das Rettungsboot der Schiffbrüchigen von Delacroix schwimmt, aller Geschichte beraubt, in einer dichten Fläche monochromer Malerei. In der "metaphysischen Obdachlosigkeit des modernen Menschen" stehen wie alles die großen Themen und Motive der Malerei für die Malerei zur Disposition. Den Palimpsest, die vermeintlich unmögliche Kombination verwendet Ari Goldmann als Strategie, die Frage nach der Bedeutung, nach dem Gehalt der Bilder und ihrer Motive zu stellen. In der fröhlichen Wissenschaft der Ironie verschieben sich die Werte, offenbart Größe ihre Gefahr, zur Banalität zu verkommen, und es kann ein eigenartiges Pathos im Banalen entstehen.......... Werner Meyer Aus: Ausstellungskatalog "Die Erforschung des Horizonts" 2002 |
Palimpsest |